Schulimkerei in Pirna – wie Buckfastbienen, Pädagogik und Leidenschaft Generationen verbinden
Es ist ein warmer Nachmittag in Pirna. Zwischen Summen, Kinderlachen und dem Duft von Wachs stehen Schülerinnen und Schüler in Imkerjacken vor einem geöffneten Bienenvolk. Vorsichtig zieht ein Kind eine Wabe aus der Beute. „Da ist die Königin!“, ruft es begeistert. Für viele dieser Kinder ist es nicht nur die erste Begegnung mit einem Bienenvolk – sondern oft auch der erste echte Kontakt mit Natur, Verantwortung und nachhaltigem Handeln.
Hinter diesen Momenten steht das KiJuBee Netzwerk Sachsen e.V. Gemeinsam mit engagierten Imkern, Schulen und Ganztagsangeboten (GTA) werden in Pirna und Umgebung an derzeit drei Schulbienenstände GTA-Angebote pädagogisch begleitet. Dabei geht es um weit mehr als nur um Honig. Es geht um Umweltbildung, Artenvielfalt, nachhaltiges Denken und um die Frage, wie wir Kinder wieder stärker mit der Natur verbinden können. Federführend begleiten René Hickmann vom KiJuBee Netzwerk sowie Tino Lorz vom Landesverband der Sächsischen Buckfastimker dieses besondere Projekt. Schulimkerei GS-Graupa, ASB Hort Neundorf, GS-Diesterweg
Buckfastbienen als Schlüssel für erfolgreiche Schulimkerei
Für die Arbeit mit Kindern braucht es besondere Bienenvölker. Schul- und Kindergartenimkerei verlangt ruhige, sanftmütige und verlässliche Bienen. Genau hier spielt die Buckfastbiene ihre großen Stärken aus. Der Landesverband der Sächsischen Buckfastimker unterstützt deshalb die Schulen gezielt mit Buckfastköniginnen. Unter der Koordination von Tino Lorz wird dafür gesorgt, dass die teilnehmenden Schulen aller zwei Jahre neue Buckfastköniginnen erhalten. Damit bleiben die Völker leistungsfähig, sanftmütig und stabil – eine wichtige Voraussetzung für sichere pädagogische Arbeit mit Kindern.
Die Buckfastbiene gilt in Sachsen inzwischen als immaterielles Kulturerbe. Sie steht nicht nur für moderne und nachhaltige Imkerei, sondern auch für jahrzehntelange züchterische Arbeit, Wissenstransfer und verantwortungsvolle Bienenhaltung.
Gerade ihre Eigenschaften machen sie für Bildungsprojekte besonders wertvoll:
- ausgeprägte Sanftmut
- geringe Schwarmneigung
- ruhiger Wabensitz
- hohe Vitalität
- gutes Hygieneverhalten
- biotechnischen Maßnahmen möglich
Dadurch benötigen viele dieser Völker deutlich weniger chemische Eingriffe und lassen sich besonders schonend führen. Für Kinder und Jugendliche entsteht so ein moderner Zugang zur Imkerei, der Tierwohl, Nachhaltigkeit und praktisches Lernen miteinander verbindet.
Lernen mit allen Sinnen
Wenn Kinder ein Bienenvolk öffnen, geschieht weit mehr als klassischer Unterricht vermitteln kann. Sie lernen Verantwortung, Geduld und Respekt vor Lebewesen. Viele Kinder überwinden dabei Ängste und entwickeln Stolz auf das eigene Können.
Die Schülerinnen und Schüler beobachten den Jahreslauf der Natur, erkennen ökologische Zusammenhänge und erleben unmittelbar, wie abhängig unsere Ernährung von Bestäubung und Biodiversität ist.
Dabei entsteht etwas sehr Wertvolles: echtes Verständnis.
Kinder, die selbst Honig geschleudert haben, achten oft bewusster auf regionale Lebensmittel. Wer erlebt hat, wie empfindlich ein Bienenvolk auf Umweltveränderungen reagiert, entwickelt häufig ein anderes Verhältnis zu Natur- und Umweltschutz.
Tradition und Zukunft gemeinsam gedacht
Die Imkerei zählt zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Gleichzeitig steht sie heute vor enormen Herausforderungen: Varroamilbe, Klimawandel, Trachtlücken und der Rückgang von Insekten beschäftigen Imkerinnen und Imker überall in Deutschland. Gerade deshalb sind Projekte wie in Pirna so bedeutend. Hier wird Wissen nicht nur bewahrt, sondern aktiv weitergegeben. Erfahrene Imker begleiten Kinder und Jugendliche, vermitteln handwerkliche Fähigkeiten und zeigen gleichzeitig moderne Wege nachhaltiger Bienenhaltung.
So reichen sich Geschichte und Zukunft die Hand.
Die Kinder von heute sind die Erzeuger und Verbraucher von morgen. Vielleicht entsteht an einem Schulbienenstand gerade die nächste Generation engagierter Imkerinnen und Imker. Vielleicht entsteht dort aber auch einfach ein junger Mensch, der Natur künftig mit anderen Augen sieht.
Und genau das macht diese Arbeit so wertvoll.
Yvonne Hickmann